top of page

Obst- und Gartenbauverein Gerbrunn e.V.

Blog-Beitrag

Vom „Garten Eden“ zum Weltgarten der Firma WITTENSTEIN – Exkursion des Obst- und Gartenbauvereins (OGV)Gerbrunn zu einem der führenden Industrieunternehmen Europas im Main-Tauber-Kreis

  • 26. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Text: Dr. Dr. Thomas Richter

Foto: Florian Trunk (WITTENSTEIN)















Gärten haben zu allen Zeiten in der Menschheitsgeschichte eine Rolle gespielt. Aus diesem Grund gehört es zum Selbstverständnis des mitgliederstarken und aktiven OGV Gerbrunn sich mit der Gartenkultur auseinanderzusetzen. Zusammen mit dem ortsansässigen Apotheker Dr. Dr. Thomas Richter und den beiden Vorständen Alfred Engert und Bruno Kraft sowie etwa 40 Interessierten haben sich Gartenliebhaber auf den Weg gemacht, um den Weltgarten der Firma WITTENSTEIN zu besuchen, ein Projekt, das in Deutschland etwas Einmaliges ist. Der Garten wurde ins Leben gerufen und lange Jahre betreut von Dr. Uwe Buschbom, langjähriger akademischer Direktor am Julius von Sachs Institut für Biowissenschaften an der Universität Würzburg. Seine in Gerbrunn ansässige Mitarbeiterin, die Botanikerin Dr. Susanne Böll, hat sich dieses Weltgartens des Igersheimer Unternehmens als Nachfolgerin von Dr. Uwe Buschbom mit großem Fachwissen und Leidenschaft für die Pflanzenwelt inzwischen angenommen und ist als dessen Kuratorin tätig.

 

Gartenkultur als roter Faden in der Geschichte der Menschheit

Aufgrund der großen Teilnehmerzahl musste die knapp 40 Personen umfassende Gruppe des OGV geteilt werden. Während ein Teil im Weltgarten unterwegs war, durfte die andere Gruppe als Einführung bzw. als Nachklang einem Vortrag von Dr. Dr. Thomas Richter, Mitinhaber der Gerbrunner Rats-Apotheke, folgen, der sich mit der europäischen Gartengeschichte beschäftigte. Wenngleich der „Garten Eden“ im Alten Testament vermutlich ein fiktiver Raum war, den man mit dem Paradies in Verbindung brachte, so ist es bemerkenswert, dass am Anfang menschlicher Vorstellungen von Glaube und  Schöpfung ein Garten stand. Diese Tradition haben frühneuzeitliche Maler im 14. und 15. Jahrhundert aufgegriffen und die Jungfrau Maria in einem „geschlossenen Garten“ abgebildet, sozusagen als „neue Eva“. Dazu wurden passende Arzneipflanzen ausgewählt wie die „Weiße Lilie“, die „Pfingstrose“ als „Rose ohne Dornen“ sowie das „Kleine Immergrün“, dem man eine dämonenabwehrende Wirkung in der Frühneuzeit nachsagte. Das barocke Zeitalter, das durch die absolutistischen Herrscher geprägt wurde, sah den Garten als Repräsentationsort, um fürstliche oder geistliche Macht sichtbar nach außen zu zeigen. Auf die Spitze getrieben hat diese Form der Repräsentation der Eichstätter Fürstbischof Johann Conrad von Gemmingen (1561-1612), der den Nürnberger Apotheker Basilius Besler (1561-1629) zur Herausgabe eines prachtvollen Werkes mit Kupferstichabbildungen von den in seinem Garten wachsenden Pflanzen beauftragte, den „Hortus Eystettensis.“ Das Zeitalter der Gelehrsamkeit, sprich die Aufklärung und die Moderne, favorisierte eher den botanischen Garten, der als Ausbildungsort für Mediziner gedacht war. Im bürgerlichen Zeitalter des 19. Jahrhunderts wurde dieser eher exklusive Platz zu einem inklusiven Ort, in dem auch Bürger in den Städten die Gewächse bestaunen durften. Eine kulturgeschichtliche Weiterentwicklung stellt schließlich der Weltgarten der Firma WITTENSTEIN dar.

Organisches Wachstum, Globalisierung und Kultur der Wertschätzung  als Elemente des Weltgartens der Firma WITTENSTEIN

Während es in der Renaissance um Naturnähe geht, im Barock um Macht und im 18 sowie 19. Jahrhundert um Gelehrsamkeit, hat der „Weltgarten“ des Unternehmens im 21. Jahrhundert drei Aufgaben, wie Dr. Manfred WITTENSTEIN  betont. Er stellt zunächst einmal das organische Prinzip in der Natur da, mit dem sich schon Johann Wolfgang von Goethe beschäftigte. Goethe schätze an der Natur den sich langsam vollziehenden Prozess des Wachsens und Reifens. Abrupte Veränderungen wie Revolutionen oder starke Erschütterungen waren dem Weimarer Dichter zutiefst zuwider. Diese Betrachtung deckt sich mit der Unternehmensphilosophie des Igersheimer Unternehmens, das, von Dr. WITTENSTEINS Vater als lokales Unternehmen begonnen, inzwischen in dritter Generation zu einem weltweit agierenden Konzern ausgebaut wurde. Wachstum braucht Zeit und stabile Bedingungen, in der Natur wie im Unternehmen. Eine zweite Botschaft des Weltgartens ist das Nebeneinander von vielen Pflanzen aus unterschiedlichen Ländern, welche für den Gedanken einer Globalisierung steht. Nahezu jedes Land, das in einer Handelsbeziehung mit dem Unternehmen steht, ist durch eine eigene Pflanze bzw. einen Baum auf dem Gelände des Weltgartens vertreten. Beispielhaft seien hier die Fuji-Kirsche aus Japan („Prunus incisa“), der chinesischen Zimtahorn („Acer griseum“) sowie die in mitteleuropäischen Ländern anzutreffende Hainbuche („Carpinus betulus“) genannt. Und ein dritter Gedanke ist, so Dr. WITTENSTEIN, der Erholungs- und Erbauungscharakter eines Gartens. In der Romantik stellte dieser das persönliche Rückzugsgebiet des Bürgers dar. Heute schafft man mit einem „Industriegarten“ einen Ort, wo sich die Mitarbeiter des Unternehmens an ihrem Arbeitsplatz aufhalten, um neue Kraft für kreative Ideen in den entsprechenden Pausen zu schöpfen. In Zeiten von einer wertschätzenden Mitarbeiterkultur ist ein firmeneigener Garten mehr als ein „nice to have.“ Er steht für eine neue Epoche einer Arbeits- und Wirtschaftswelt, für die das Unternehmen aus Igersheim-Harthausen ein Vorreiter ist. Mit diesen lebendigen und informativen Eindrücken inspiriert beendete der OGV Gerbrunn seine lehrreiche Tagesfahrt bei einem gemeinsamen Abendessen in Giebelstadt. Zum Wachstum gehören eben auch immer ein gedeihliches Umfeld sowie eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, worin sich Natur und Mensch sehr ähnlich zu seien scheinen.

 

Dr. Dr. Thomas Richter


Kommentare


Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Bitte den Website-Eigentümer für weitere Infos kontaktieren.
OGV-gerbrunn_logo.png

OGV-Gerbrunn@gmx.de

0931 85497

Sanderrothstr. 45, 97074 Würzburg

 

Impressum

Datenschutz

© 2019 by OGV Gerbrunn e.V.

bottom of page